Recruiting Performance.

Miteinander. Potenzial. Erleben.

MenschWert Lesenswertes

Menschwert Consulting

Candidate Journey: Vom Tinder-Fail zur Traumhochzeit

Recruiting ist wie Dating: Wie man Kandidaten verliert - oder eben gewinnt.

In fast allen Branchen und Jobs herrscht absoluter Kandidatenmangel. Die Kandidaten-Pipeline ist leer und Recruiting Abteilungen stehen unter enormen Druck. Das Recruiting-Team soll retten, was an anderer Stelle versäumt wurde.

Das ist genauso sinnvoll, wie den Arzt für die Krankheit verantwortlich zu machen bzw. Tinder zu beschimpfen, dass man selbst noch nicht den oder die Richtige gefunden hat. 

 

Recruiting Abteilungen sind also die Date Doctors der modernen Organisation. 

Dabei geht es in erster Linie nicht darum, möglichst viele Kandidaten an Land zu schaffen, sondern darum, möglichst vielversprechende „matches“ zu bekommen. Und zwar mit möglichst wenig Kandidaten. Alles andere macht weder Spaß, noch ist es vernünftig.

Candidate_Journey
Wie bekommen ich den Ring und die Unterschrift?

Was ist die Candidate Journey?

Analog zur Customer Journey aus dem Marketing hilft die „Candidate Journey“ den Recruiting Abteilungen ihre Kandidaten besser zu verstehen und mit Ihnen zu interagieren. Welchen Weg geht der Kandidat, bevor er sich für ein Unternehmen entscheidet? Der Recruitingprozess besteht aus verschiedenen Kontaktpunkten zwischen Arbeitssuchendem und Unternehmen. Die Gesamtheit dieser Kontaktpunkte und die individuellen Erfahrungen, die der Bewerber dabei sammelt, werden als Candidate Journey bezeichnet. Diese Reise fängt lange vor einer potentiellen Bewerbung an, wenn sich der Kandidat selbst noch garnicht bewusst ist, dass ein neuer Job genau das ist, was er (oder sie) braucht. Genau wie der Wunsch nach einer (neuen) Beziehung oft sehr lange schwelt, bevor man sich aktiv auf Partnersuche begibt.

 

Warum ist diese relevant?

Die Betrachtung der Candidate Journey ist vor allem dann interessant, wenn man passive Kandidaten aktivieren will. Gerade weil es die aktiven Kandidaten nicht gibt, oder sie sich selten als „best match“ herausstellen. Ist ein gut aussehender, erfolgreicher, charmanter Single im richtigen Alter und dann auch noch treu und an einer langfristigen, ernsthaften Beziehung interessiert, wird man ja schon skeptisch, dass dieser überhaupt noch auf dem Markt ist. Es gilt, den überzeugten Single zu domestizieren bzw. den Kandidaten zu finden, der mit seiner Situation soweit gut klarkommt und sich noch nicht aktiv mit dem Gedanken beschäftigt, was das Leben Gutes für sie oder ihn bereithält. Wenn dann ein gutes Angebot kommt, kann man sich entspannt und gelassen auf einen (Recruiting-)Prozess einlassen.

Außerdem ist es viel leichter den Kandidaten schon vor dem eigentlichen Prozess zu überzeugen, als wenn erst in der Vertragsverhandlung überlegt wird, ob der Job wirklich das Richtige ist. Zumal Hiring Manager im Prozess sehr schnell dazu tendieren, sich mit dem, „was der Markt so zu bieten hat“ zu begnügen. Den Weg der potentiellen neuen Kollegen genauer unter die Lupe zu nehmen, vermindert nicht nur Fehleinstellungen, sondern spart effektiv zusätzlich Zeit und Kosten. 

 

Wie läuft das ab und was ist zu tun?

Wie funktioniert also dieses Dating? Und wie mache ich aus den mehr oder weniger vielversprechenden Dates, das eine Match, das Commitment, zumindest einen Teil des Lebens zusammen zu verbringen?

Es gibt keine Zauberformel, aber sich den Entscheidungsweg der potenziellen Kandidaten anzuschauen, kann den Spielraum zeigen, der zum Erfolg führt. Da Erkenntnis der erste Schritt zur Verbessserung ist, hilft es, sich selbst ein paar kritische Fragen zu beantworten. 

 

1) Erste Frage: Tinder Dating oder echte Beziehung?

Welche Art von Verbindung will ich führen? Welche Art von Kandidat suche ich? Das Abenteuer, das freie Radikal, bei dem man sich ausprobieren kann, der die Komfortzone sprengt, uns neue Erfahrungen erleben lässt? Einer oder eine, die schnell Karriere machen will, alte Strukturen in Frage stellt und neue Wege gehen will? Oder doch lieber einen soliden Partner, der zuverlässig und berechenbar langfristig unseren Weg unterstützt? Denn je nach dem, was ich suche, ändert sich die Ansprache. Man will ja nicht als leicht zu haben oder andersrum spießig erscheinen.

2) Zweite Frage: Matcht mein Profil mit den Vorstellungen des anderen?

Kann ich dem freien Radikal wirklich auch das Abenteuerland bieten? Hand aufs Herz, ein bisschen Abenteuer wünschen wir uns von Zeit zu Zeit alle, aber sind wir wirklich bereit uns auf die Achterbahn ins Ungewisse einzulassen? Können wir dem Ruhepol, der Stabilität, Erfahrung und Souveränität mitbringt auch die strategische, langfristig ausgerichtete Organisation bieten? Oder wollen wir den zukünftigen Partner dazu missbrauchen, dass er oder sie, die Hausaufgaben für uns macht, die wir bisher versäumt haben. Wäre das fair und erfolgreich?

3) Dritte Frage: Wie und wo treffe ich meinen Traumkandidaten oder meine Traumkandidatin?

Das kann überall passieren. Und, wie im wahren Leben, meist dann, wenn wir es am wenigsten erwarten, egal ob Samstag morgen im Supermarkt, beim Sport oder den spontanen Kaffeeplausch bei der besten Freundin. Wenn ich ernsthaft auf der Suche bin, sollte ich nicht mehr mit fettigen Haaren und in Schmuddelklamotten durch die Gegend laufen. Das gilt auch für Unternehmen. Schön, wenn die Karriereseite hübsch ist, aber wenn alles andere ungepflegt und lieblos wirkt, hilft auch das bisschen Make-Up nicht. Zumal der Kandidat, der glücklich im Job ist, sich dort auch gar nicht aufhält. Lassen Sie ihr Unternehmen von innen heraus zu jeder Zeit strahlen, auch dort, wo vermeintlich niemand hinschaut. Gehen Sie dorthin, wo die Kandidaten sind und machen Sie auf ihr Unternehmen aufmerksam. Kleiner Tipp, Kandidaten sind wenig auf XING und LinkedIn, oder auf Monster oder Stepstone. Doch welche Bars oder Restaurants werden besucht, welche Zeitschriften gelesen, wo und wie wird gesportelt, wo bilden sich die Kandidaten weiter?

4) Vierte Frage: Wie spreche ich ihn oder sie an und wecke Interesse?Vor allem dann, wenn er/sie eigentlich überzeugter Single ist?

Es ist so weit. Wir haben das Objekt der Begierde ausfindig gemacht. Er oder sie steht vor uns, zum greifen nah und doch so fern. Wer weiß, was er will und vor allem was der oder die andere will, wird diese Frage leicht beantworten. Es versteht sich von selbst, dass die Ansprache kreativ und individuell sein sollte, dennoch angemessen und Neugier weckend. 

5) Fünfte Frage: Wie gestalte ich das erste Date und den Weg dahin?

Nun habe ich zumindest mal die Telefonnummer meines Traumkandidaten bzw. meiner Traumkandidatin und die Bereitschaft, sich mit mir ernsthaft zu unterhalten. Wie überzeuge ich ihn oder sie nun von mir, ohne mich zu arg zu verstellen, und doch meine Schokoladenseite zu präsentieren? Wie viel Priorität hat das Date in meinem Kalender? Wenn ich den anderen sehen will, dann sobald wie möglich und nicht dann, wenn ich gerade zufällig einen Slot finde. In der Regel müssen beide einen Termin ermöglichen, also warum nicht gleich morgen? Meist ist der nächste Tage genauso schwierig wie nächste Woche. Aber wer kurzfristig Zeit schafft, signalisiert echtes Interesse. Jeder weiß, wie wichtig der Eindruck beim ersten Date ist, und das ist auch im Interview so. Wie präsentiert sich das Unternehmen? Jede Kleinigkeit wird registriert und interpretiert. Es lohnt sich also, diesen Termin sehr genau zu planen. Grundsätzlich gilt: Weder beim Date noch im Interview ist es schön, wenn man zu spät kommt, ständig auf sein Handy guckt, blöde, langweilige Fragen stellt und „abcheckt“ oder provoziert. Dennoch ist es nach wie vor gängige Praxis bei Vorstellungsgesprächen. 

6) Sechste Frage: Wie komme ich über die erste Verliebtseins-Phase weg und in Verhandlung, wie das tägliche Leben auszusehen hat?

Die ersten Dates bzw. Vorstellungsgespräche liefen super, nun will ich den Beziehungsstatus ändern. Wie soll die Beziehung aussehen? Nun kommen die harten Fakten. Wie und ob man zusammenwohnen will, wer macht was im Haushalt, wie sieht die Freizeitplanung aus? Was in der Verliebtseinsphase alles noch kein Problem wird, fängt dann doch irgendwann an zu nerven und sollte diskutiert werden. Im Recruiting-Prozess ist das die Phase der tatsächlichen Verhandlung der Rahmendaten wie Gehalt, Arbeits- bzw. Reisezeiten, Entwicklungsperspektiven, Leistungserwartungen, Führungskultur etc. Strikte Friß-oder-Stirb-Angebote werden die Beziehung nicht stärken. Es gilt klare Erwartungen zu äußern und gleichzeitig Vertrauen aufzubauen, denn bis dahin, sind die guten Absichten nichts als leere Versprechen. 

7) Siebte Frage: How do I get the ring?? Wie bekomme ich die Unterschrift?

Die Daten sind ausgehandelt, jeder kennt den anderen, man kann sich vorstellen, dass das grundsätzlich ganz gut laufen könnte. Wenn aber die Fragen 1-6 nicht richtig durchdacht sind, fängt man dann an, doch zu überlegen, dass das Single-Sein doch ganz schön ist, dass andere Mütter auch schöne Töchter, bzw. andere Unternehmen auch gute Jobs haben. Dass man doch nicht bereit ist, das (Arbeits-)Leben mit der anderen Seite zu verbringen. Bisher war alles ganz nett, aber eine Unterschrift bedeutet ernsthaftes Commitment. Das "ich will" ist also lang vorher gefragt, denn jetzt hab ich keine Trümpfe mehr in der Hand. Wenn man bisher allerdings alles richtig gemacht hat, dann wird der Antrag bzw. das Vertragsangebot auch klar und freudig begrüßt. Wenn beide Seiten nur noch auf „den richtigen Moment“ gewartet haben, kann man den Champagner öffnen und später seinen Kindern von diesem Erlebnis erzählen.

Bingo! And they lived happily ever after.

 

Fazit

Recruiting ist ein 24/7-Job. Und eine Teamaufgabe. Immer und für jeden im Unternehmen. Wir wissen, wie es funktioniert. Neue Jobs verändern Leben, also sollte Recruiting da stattfinden, wo das Leben ist, bei den Kandidaten.

 

Von wegen Sommerloch: 

Sonne und Sommer in der Stadt sind die besten Voraussetzungen neue Perspektiven zu erkunden. Der Traumkandidat oder die Traumkandidatin wartet nur darauf, gefunden zu werden.

Also, raus aus der Büro-Vernunft und den grauen Powerpoint-Folien und rein in die Pumps und das Sommerkleid oder die Sneaker und die Shorts und raus auf die Jagd. Flirt-Mode on. Am besten jetzt gleich.

 

Gefällt mir:

Kommentieren

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Web- und E-Mail-Adressen werden in Links umgewandelt.

Newsletteranmeldung

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.